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Untersuchungsablauf
Das Kontaktglas-Dynamometer, dessen Sensoraufsatz über ein dünnes Kabel mit einer elektronischen Auswerteeinheit verbunden ist, wird nach Tropfanästhesie und Augeninnendruckmessung in gleicher Weise auf den Bulbus aufgesetzt wie das herkömmliche Dreispiegelglas. Dann wird der Anpressdruck des Kontaktglases in Richtung der sagittalen Augenachse kontinuierlich so lange erhöht, bis bei Überschreiten des diastolischen Blutdrucks erste Pulsationen der Arteria centralis retinae oder ihrer Äste auf der Sehnervenscheibe erkennbar werden. Der diastolische Zentralarteriendruck ist definiert als der geringste Augeninnendruck, bei dem erste Pulsationen der Zentralarterie erkennbar sind. Exakt zu diesem Zeitpunkt wird der auf einem LCD-Display kontinuierlich angezeigte Druckwert durch Betätigen eines Fußschalters oder eines Tasters festgehalten und notiert. Dieser Wert repräsentiert die Steigerung des Augeninnendrucks über den Ausgangswert. Der diastolische Zentralarteriendruck ergibt sich aus der Addition des ursprünglichen Augeninnendrucks zu dem auf dem LCD-Display angezeigten Wert. Der systolische Blutdruck wird in gleicher Weise gemessen. Bei Überschreiten des systolischen Blutdrucks kollabiert die Zentralarterie. Der systolische Zentralarteriendruck ist definiert als der geringste intraokulare Druck, bei dem das Gefäß kollabiert bleibt. Eine medikamentöse Pupillenerweiterung ist in der Regel nur dann erforderlich, wenn der Einblick durch Medientrübungen erschwert ist. Die mit der Kontaktglas-Dynamometrie am Auge ermittelten Blutdruckwerte liegen im Schnitt 25 % unter den Werten, die wir am Oberarm messen. Von der Messung des diastolischen Blutdrucks spürt der Patient wenig, wenn die Werte niedrig sind. Wenn wir am Auge einen diastolischen Wert von 75 messen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der systemische Blutdruck erhöht ist.
Die Bestimmung des Abflussdrucks der Vena centralis retinae ist etwas komplexer. Ist ein spontaner Venenpuls erkennbar, dann ist der Venenabflussdruck niedriger als der Augeninnendruck. Liegt kein spontaner Venenpuls vor, ist der Zentralvenendruck mit hoher Wahrscheinlichkeit erhöht. Der Beweis dafür, dass der Venenabflussdruck tatsächlich erhöht ist, lässt sich einfach erbringen. Dazu muss man lediglich - mit dem Finger seitlich aufs Oberlid drückend - den Augeninnendruck erhöhen. Wenn durch diese Erhöhung des Augeninnendrucks ein Venenpuls oder ein einmaliger Kollaps der Vene ausgelöst werden kann, dann ist der Venenabflussdruck höher als der Augeninnendruck. Will man den Venendruck nun quantitativ bestimmen, dann setzt man das Kontaktglas-Dynamometer auf, steigert damit den Augeninnendruck bis zum Beginn der Venenpulsation. Der Venenabflussdruck (Synonyme: vein outflow pressure (VOP), vein occlusion pressure (VOP), Central vein pulsation (CVP) ergibt sich aus der Addition des ursprünglichen Augeninnendrucks zu dem auf dem LCD-Display angezeigten Wert. Pulsiert die Vene bzw. zeigt sie einen einmaligen Kollaps bereits unmittelbar beim Aufsetzen des Kontaktglases, d.h. bevor man überhaupt den Druck erhöht hat, dann liegt der Venendruck nur geringfügig über dem Augeninnendruck. Auch diese geringfügigen Drucksteigerungen lassen sich quantitativ erfassen, wenn man vor der Kontaktglas-Dynamometrie den Augeninnendruck durch Oculopression ausreichend gesenkt hat. Hierzu ein Beispiel: Der Augeninnendruck liegt bei 20 mm Hg. Die Zentralvene pulsiert nicht. Durch leichtesten Fingerdruck kann eine Pulsation ausgelöst werden. Jetzt senkt man den Augeninnendruck durch Oculopression auf beispielsweise 10 mm Hg ab und erhöht den Druck mit dem KD wieder. Bei einer Anzeige von beispielsweise 15 beginnt die Venenpulsation. Der Venenabflussdruck beträgt dann 10 +15 = 25 mm Hg.
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