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Prinzipielle Grundlagen
Die Untersuchung des beidäugigen Sehens oder des Binokularsehens kann in die Untersuchung der Motorik und in die Untersuchung der Sensorik gegliedert werden. Bei der Untersuchung der Motorik sollen Stellungsfehler (Schielwinkel) und Bewegungsfehler (Störungen des Bewegungsablaufs, Einschränkungen des Blickfeldes) erkannt und vermessen werden. Bei der Untersuchung der Sensorik werden unter anderem die Verschmelzung der Bildeindrücke beider Augen (Fusion) sowie das räumliche Sehen (Stereosehen) geprüft.
Bei der Untersuchung von Bewegungsstörungen der Augen oder bei der Schieldiagnostik werden Fehlstellungen der Augen gemessen. Solche Fehlstellungen können verursacht sein durch Über- oder Unterfunktion eines oder mehrerer der sechs Augenmuskeln oder durch eine Störung eines oder mehrerer der drei Nerven, die die Muskelfunktionen steuern. Um Augenmuskelstörungen zu erfassen, führt man Schielwinkelmessungen in unterschiedlichen Blickrichtungen durch.
Zur einer möglichst exakten Beurteilung der Augenmuskelfunktion sind Prüfungen in möglichst vielen Blickrichtungen erforderlich. Mathematisch gesehen sind unendlich viele Blickrichtungen möglich. Physiologisch sinnvoll und für die Basisdiagnostik geeignet ist die Prüfung in den neun Hauptblickrichtungen. Diese sind: links oben, oben, rechts oben, links, geradeaus, rechts, links unten, unten, rechts unten. Die ermittelten Abweichungen der Blickrichtungen beider Augen kann man in Winkelgraden angeben oder in Prismendioptrien.
Die Augenmuskelfunktionen lassen sich auch überprüfen mittels der sogenannten Koordimetrie. Hierbei werden Schielwinkel veranschaulicht, indem die Abweichungen der Blickrichtungen beider Augen von den Hauptblickrichtungen in einem Diagramm graphisch dargestellt werden. Geprüft wird mit sogenannten "Tangententafeln". Deren horizontal und vertikal gekrümmte Linien entstehen durch Projektion von Oberflächenkoordinaten einer Kugel auf eine im Abstand des Kugelradius befindliche Fläche. Der Kopf des Probanden befindet sich im Zentrum der Kugel und steht frontoparallel zur Projektionsfläche. Die sogenannten "Tangententafeln" sind immer nur für eine bestimmte Entfernung berechnet. Durch das Zentrum des Schirms und durch die Schnittpunkte bestimmter horizontaler und vertikaler Linien ergeben sich Fixationspunkte für verschiedene Blickrichtungen. Die Bildtrennung kann auf unterschiedliche Art erfolgen. Am gebräuchlichsten ist die Bildtrennung durch komplementärfarbige Fixationsobjekte und komplementärfarbige Filtergläser.
Bei der Hess-Tafel erfolgt die Bildtrennung beider Augen ebenso wie beim ursprünglichen Hess-Schirm durch komplementärfarbige Filtergläser (HESS, W.R.: Eine neue Untersuchungsmethode bei Doppelbildern. Arch. Augenheilk. 62 (1909) 233).
Die Hess-Koordinaten sind für einen Untersuchungsabstand von 50 cm berechnet. Sie leiten sich mathematisch folgendermaßen ab: Das Auge des Beobachters befindet sich in der Mitte einer (gedachten) Kugel und sieht senkrecht auf den Schirm, der im Abstand r = 0,5 Meter (= Kugelradius) platziert ist. Die Koordinaten sind Hyperbeln, die durch Projektion zweier Kreisscharen (den Breitenkreisen der Kugel) entstehen.
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