Prinzipielle Grundlagen

Das Prinzip des Helmholtz-Schirms ist das gleiche wie das des Hess-Schirms. Für die Trennung beider Augen werden ebenfalls komplementärfarbige Filtergläser benutzt.

Die Helmholtz-Koordinaten wurden bereits vor mehr als 100 Jahren von Hermann von Helmholtz beschrieben. Sie stimmen mit den Hess-Koordinaten in den Primär- und Sekundärpositionen überein. Bei den tertiären Blickpositionen gibt es Abweichungen. Das Helmholtz-Koordinatensystem leitet sich mathematisch ähnlich ab wie das Hess-Koordinatensystem. Das Auge des Beobachters befindet sich in der Mitte einer (gedachten) Kugel und sieht senkrecht auf den Schirm, der im Abstand r = 0,5 Meter (= Kugelradius) platziert ist. Die Koordinaten sind Hyperbeln, die durch Projektion zweier Kreisscharen der Kugel entstehen. Im Unterschied zu den Hess-Koordinaten haben die projizierten Kreisscharen jedoch am hinteren Pol der (gedachten) Kugel eine gemeinsame Tangente, die entweder horizontal oder vertikal ist. Jeder Kreis durch die horizontale Tangente schneidet alle die Kreise senkrecht, die durch die vertikale Tangente gehen, und zwar auf jeder Stelle der Kugel. Die Kreise stellen somit für das Auge des Beobachters die Horizontale und Vertikale dar. Durch Projektion auf die Fläche werden sie zu Hyperbeln, die weniger stark gekrümmt sind als die Hess-Koordinaten. Die Helmholtz-Koordinaten stellen also infolge der Rechtwinkligkeit ihrer Ursprungskreise auf der Kugeloberfläche die mathematisch richtige Grundlage für die Messung von Cyclodeviationen in den tertiären Blickpositionen dar.

Verrollungen können am Helmholtz-Schirm jedoch nicht gemessen werden. So bietet dieses Koordinatensystem hier lediglich den praktischen Vorteil des geringeren Platzbedarfs, weil die Fixationspunkte in den tertiären Blickpositionen näher am Zentrum liegen. Andererseits bietet sich hierdurch die Möglichkeit bei einer Seitenlänge des Schirms von 133 cm in den sekundären Blickrichtungen nach unten und horizontal bis zu einem Blickwinkel von 50° zu messen.

HELMHOLTZ, H. VON: Handbuch der physiologischen Optik, I. bis II. Band, Die Lehre von den Gesichtswahrnehmungen. J.v. Kries (Hrsg.), 3. Aufl. Voss, Hamburg und Leipzig 1910

G.H. KOLLING, H.J. SIMONSZ, B. VAN DIJK: Die Bedeutung der Koordinatensysteme für die Motilitätsdiagnostik. In: MÜHLENDYCK, H., RÜSSMANN, W. (Hrsg.) Augenbewegungen und visuelle Wahrnehmung (Bücherei des Augenarztes. Heft 121). Enke, Stuttgart 1990

Stand: 05.05.2007